Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

"Gebetswelten"? Ästhetik und Varianz religiöser Praktiken

Öffentliche Ausstellungsführung im Kontext der gleichnamigen Lehrveranstaltung.

Freitag, 27. November 2015 ab 15:30 Uhr
Völkerkundemuseum Heidelberg
Hauptstraße 235

Im Rahmen einer Lehrveranstaltung haben wir uns gemeinsam der Aufgabe gestellt, die derzeit im Völkerkundemuseum Heidelberg gezeigte Ausstellung Gebetswelten kritisch zu reflektieren und vor dem theoretischen und methodischen Hintergrund rezenter Religionswissenschaft neu zu kontextualisieren.

Da die Exponate im Kontext der diskursiven Religionswissenschaft, der Materialen Religion, und nicht zuletzt auch im Sinne gegenwärtiger museologischer Paradigmen neu beschrieben wurden, entstand gewissermaßen eine "neue" Ausstellung. Diese spiegelt das Grundthema der Ausstellung, die "Gebetswelten", zwar einerseits wider, stellt jedoch andererseits die postulierte Homogenität der Exponate in ihre jeweiligen historischen und soziokulturellen Kontexte - und somit in Frage.

Am kommenden Freitag bietet sich die (im Wortsinn!) einmalige Gelegenheit, diese "neue" Ausstellung im Rahmen einer öffentlichen Führung zu sehen und mit den beteiligten Studierenden und Dozierenden die Ergebnisse zu diskutieren.

Am Freitag, 27. November ab 15:30 Uhr lassen wir diese Gegenstände "sprechen"!

Religiöse Kommunikation findet in einem weiteren Sinn mit einer überweltlichen Transzendenz (also beispielsweise mit "Gott") statt - oft in beiden Richtungen. Inhaltlich drückt sich dies in Bitten, Äußerungen des Dankes, Verehrung oder einer Selbstfindung aus. Sie umfasst neben dem gesprochenen Wort mitunter auch Gesang und körperliche bzw. performative Handlungen der religiösen Menschen.

Nicht selten werden Gegenstände zu Hilfe genommen, die diese kommunikativen Settings unterstützen oder gar erst ermöglichen. So entstehen materiale Manifestationen von Religionen, die in Kombination mit gesprochenem Wort, Rezitation, Gesang und Gestik einen rituellen Raum ebenso bestimmen wie verändern.

Der Mensch bildet also den (für alle sichtbaren) Ausgangspunkt religiöser Kommunikation, indem er Gegenstände, Texte und deren Performanz im Ritual arrangiert. Während Worte, Gesang und Gestik an eine Ritualperformanz gebunden sind, bleiben die (schriftlichen) Texte und Gegenstände erhalten bis zu ihrer nächsten Verwendung. Sie können also Einblicke über die religiöse Praxis von Individuen und Gruppen verschiedener religiöser Traditionen in Geschichte und Gegenwart gewähren. Während nämlich persönliche Dimensionen im Verborgenen bleiben, geben Gegenstände Auskunft über die materiale und rituelle Praxis der jeweiligen Religion.

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Letzte Änderung: 23.01.2017