Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Dissertationsarbeit von Tobias Köhler, M.A.








Tobias Köhler, M.A.

Laufende Promotion

"Konflikte religiöser Organisationen mit dem deutschen Bildungssystem"

Konflikte zwischen religiösen Organisationen und staatlich getragenen Bildungssystemen sind kein seltenes Phänomen. Auch in Deutschland kommt es in den letzten Jahren vermehrt zu Konflikten zwischen sich selbst als christlich verstehenden Eltern und dem deutschen Bildungssystem. Oftmals steht dabei von Seiten der Akteure die Ablehnung bestimmter Unterrichtsformen oder Lehrplaninhalte im Zentrum, wie beispielsweise Sexualkunde, Evolutionstheorie oder als okkult wahrgenommene Literatur und Praktiken. Aber auch die Unzufriedenheit mit abstrakteren Faktoren, wie beispielsweise einem wahrgenommenen Verfall von Werten und der Bedeutung von Autorität im deutschen Schulsystem, kann Konfliktpotential bergen.

Es bieten sich dabei in der Praxis für die Akteure verschiedene Strategien an, um mit derartigen Konflikten umzugehen. Die Bandbreite an Möglichkeiten der Eltern reicht dabei von dem Versuch einer direkten Einflussnahme auf die Schulpolitik (bspw. in Form öffentlicher Proteste) über die Bildung alternativer Lehreinrichtungen (bspw. in Form von Bekenntnisschulen in freier Trägerschaft) bis hin zu einer Komplettverweigerung des öffentlichen Schulsystems in Form eines nach deutschem Recht zumeist illegalen Heimunterrichts.

Das Dissertationsprojekt soll vor diesem Hintergrund Konflikte von sich selbst als christlich verstehenden Einzelakteuren und Akteursgruppen mit dem deutschen Bildungssystem in den Blick nehmen, welche von diesen aus religiösen Motiven heraus begründet werden. Im Zentrum wird dabei die Frage stehen, welche Konfliktdynamiken, Strategien und Verhaltensweisen im betrachteten Feld sich aus einer spezifisch religiösen Selbstverortung der Akteure ergeben. Aus dieser Ausgangslage ergeben sich unter anderem folgende Fragen:

  • Welche zentralen Auseinandersetzungen und Akteursgruppen lassen sich im Bezug auf Konflikte zwischen sich dezidiert als christlich verordnenden Akteuren und dem deutschen Bildungssystem feststellen?
  • Welche zugrundeliegenden Konfliktgegenstände können im Rahmen der betrachteten Auseinandersetzungen identifiziert werden?
  • Welchen Einfluss hat eine nach außen getragene religiöse Selbstverortung der Akteure auf mögliche Konfliktverläufe?
  • Welche transnational agierenden Netzwerke werden über die religiöse Identität der Akteure nutzbar und inwiefern werden sie in Anspruch genommen?

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Letzte Änderung: 05.08.2016