Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Aktuelle Forschungsschwerpunkte

Theoretische Ansätze

Zweispurige Religionswissenschaft

Die Zweispurige Religionswissenschaft geht davon aus, dass alle Begriffe und Definitionen von Religion(en) historisch limitiert sind und ideologische Vorannahmen der Religionsforscher widerspiegeln. Eine Relativierung aller Religionsdefinitionen am Verlauf ihrer diskursiven Formation führt in letzter Konsequenz zur theoretischen Auflösung des Gegenstandsbereiches und zur Distanzierung der Religionsforschung von der sozialen und materialen Realität religiöser Akteure.

Aus dieser Erkenntnis leitet die Zweispurige Religionswissenschaft die Notwendigkeit ab, die konsequente diskurstheoretische Dekonstruktion nicht gegen pragmatische Arbeitsbegriffe von Religion auszuspielen, sondern beide Verfahren anzuwenden. Auf diese Weise ist es möglich, die historische Kontingenz von Religion(en) offenzulegen und gleichzeitig die geschichtlich gewachsenen Ähnlichkeiten in klar umrissenen Definitionen zu erfassen und für den Vergleich zugänglich zu machen.

Material Religion

Der Ansatz der ›Material Religion‹ rückt die Materialität von Religionen in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit und fragt danach, wie sich Religionen ›materialisieren‹. Diese Perspektive nimmt mehr in den Blick als lediglich religiöse Objekte wie Bilder, Statuen, Gebrauchsgegenstände, Kultanlagen und Gebäude oder Amulette und Talismane. Dem Ansatz der ›Material Religion‹ geht es in einem sehr viel umfassenderen Sinn darum, zu erforschen, wie Religion sich auf materialer Ebene ereignet: Untersucht wird die Verkörperung von Religionen durch Handlungen und Rituale als Ereignis, das aus spezifischen sozialen, habituellen und kognitiven Arrangements resultiert, die sich durch den Körper, den Raum sowie durch das Wechselspiel mit der materialen Welt vermitteln. In den Blick genommen werden dabei auch die Wechselwirkungen zwischen den Akteuren und religiösen Objekten oder Umweltsettings.

Medialisierung von Religion

Religiöse Praktiken ereignen sich unweigerlich und historisch ausnahmslos auf medialer Ebene. Untersuchungen, die sich dem Zusammenhang von Medien und Religion widmen, haben sich daher nicht allein der Funktion und Bedeutung sogenannter digitaler Medien zuzuwenden, die in der rezenten Gegenwart einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die Transformation religiöser Praktiken haben und gehabt haben.

Allein schon um diese Transformationen beschreiben oder auch in ihrer vorläuferlosen Neuheit hinterfragen zu können, müssen Religionswissenschaftler jene Medialitäten ins Auge nehmen, die dem ›digitalen Zeitalter‹ vorausgegangen sind und die kontingente Grundlage jedweder Kommunikationsprozesse ausbilden.

Wichtige Verbindungen lassen sich von hier aus auch zur ›Material Religion‹ ziehen, da Materialitäten oftmals, wenn nicht immer die Funktion von Medialitäten einnehmen. Die ›Material Religion‹ hat außerdem gezeigt, dass die Funktion von Medien weit über die Übertragung und Speicherung von Nachrichten und Botschaften hinausgeht, betont deren emotionale und affektive Dimension und erweitert so auf entscheidende Weise den Begriff der Medialität für die kulturwissenschaftliche Religionsforschung.

Transkulturalität

Transculturality is a sign of our understanding of cultural contacts and relationships as a process in various scales. The concept can be applied both as a phenomenological findings of concrete case studies as well as a heuristic tool. The prefix of "trans-" in "transculturality" offers the critical analysis of culture not as some ethnically bounded, internally cohesive and linguistically homogeneous spheres. Instead, transculturality highlights spacial mobility, circulation, transformation and translation of people, discourse, practices and materialities.

Religion und Marketing/ Branding

Der Forschungsansatz der Religionsökonomie konnte in den letzten Dekaden überzeugend die Prämisse etablieren, dass Religionen finanziert werden müssen und daher Strategien implementieren, zahlende Nutzer zu gewinnen und an sich zu binden. In der Folge lieferten religionsökonomische Forschungen auf der einen Seite eine Fülle von wegweisenden Befunden, wie zum Beispiel über die Kosten von Religion und die Wettbewerbssituation von Religionen auf dem Markt. Auf der anderen Seite liegt diesem Ansatz allerdings die Annahme zugrunde, dass sich religiöse und säkulare Angebote voneinander unterscheiden lassen.

Demgegenüber untersuchen dem Label ›Religion und Marketing/Branding‹ verpflichtete Ansätze, inwiefern die Narrationen, Praktiken und Ästhetiken der Werbung als Teil einer medialisierten und allgegenwärtigen Populärkultur selbst religionsanaloge Züge annehmen, welche Rolle Semantiken in der Werbung spielen, die als religiös gelten und auf welche Weise sich dabei die als religiös und als säkular verstandenen Felder transformieren.

Regionale Traditionen und ihre religionshistorischen Dynamiken

Zen-Buddhismus

Siehe die Zen-Seite.

Japanische Religionsgeschichte und religiöse Gegenwart

Mit ihrer großen Vielfalt stellen die japanische Religionsgeschichte und religiöse Gegenwart ein herausforderndes und spannendes Feld für die religionswissenschaftliche Forschung dar. Im Mittelpunkt des Interesses am Institut für Religionswissenschaft in Heidelberg stehen die materielle Kultur des japanischen Buddhismus, die rezente Religionsgeschichte, insbesondere die der sogenannten Neuen Religionen, der gegenwärtige Diskurs über Spiritualität und davon abgeleitete Praktiken, sowie die Transformation des ›Zen‹ in Japan und im sogenannten ›Westen‹.

Religionen in den USA

Die Religionsgeschichte und aktuelle religiöse Landschaft der USA eröffnet eine Fülle von Themen für die Religionsforschung, angefangen mit Untersuchungen über die Puritanischen Pilgerväter und den Religionen der amerikanischen Ureinwohner über spezifisch amerikanische Gruppierungen und Phänomene wie z.B. Mormonen, Megachurches, Televangelisten, Apokalyptiker oder Transzendentalisten bis hin zur Verbindung von Religion und Politik sowie Religion in/und Populärkultur, Religion in/und Sport sowie der sogenannten Amerikanischen Zivilreligion.

Religiöse Transformationen der Gegenwart

Religionen und Schule

War die Erziehung von Kindern historisch betrachtet zumeist eine Kernaufgabe der Familie gewesen, so erforderte die zunehmende Ausdifferenzierung moderner Gesellschaften die Existenz weiter reichender institutioneller Bildungssysteme. Insbesondere dem öffentlichen Schulsystem kommt bei der flächendeckenden Vermittlung gesellschaftlich geforderter Grundkenntnisse eine Schlüsselrolle zu. Historisch betrachtet waren es lange Zeit vor allem durch religiöse Organisationen getragene Einrichtungen, welche dieser gesellschaftlichen Bildungsaufgabe nachgekommen sind. Tiefgreifende religiöse Transformationsprozesse, beispielsweise während der Zeit der Reformation, gingen daher zumeist auch mit grundlegenden Veränderungen des Bildungssystems einher.

Mit Beginn der Moderne begann der zunehmende Ausbau eines staatlich getragenen und zumeist als säkular verstandenen Schulsystems in industrialisierten Staaten. Hierdurch wurden oftmals religiöse Organisationen als Bildungsanbieter zugunsten öffentlich-staatlicher Schulen zurückgedrängt. Dieser Prozess verlief jedoch nicht ohne Spannungen, wie die hart geführten Debatten um die Entkirchlichung des Schulwesens in der Weimarer Republik oder der seit dem Anfang des 20. Jahrhunderts geführte Streit um Evolution in den Lehrplänen US-amerikanischer Bundesstaaten zeigen.

Auch gegenwärtig zeigt sich das Spannungsverhältnis zwischen den Erwartungen religiöser Akteure und staatlichen Behörden an die Institution Schule an verschiedenen Fallbeispielen. So ist in den letzten Jahren beispielsweise in Deutschland eine deutliche Zunahme an Rechtsstreitigkeiten um Unterrichtsinhalte zu verzeichnen, welche aus religiösen Motiven heraus abgelehnt werden. Die gesetzlich gegebene Möglichkeit zur Gründung privat getragener Bildungseinrichtungen wird ebenfalls vermehrt von religiösen Gruppen genutzt, welche ein Alternativangebot zum öffentlich-staatlichen Schulsystem in Anspruch nehmen möchten. Die Frage nach dem Verhältnis von Schule und Religion ist also keinesfalls abgeschlossen, sondern erzeugt beständig neue Dynamiken, welche wiederum in umfassendere gesellschaftliche Aushandlungsprozesse um Pädagogik, Wertewandel, Kindeswohl und das Verhältnis von Staat und Familie eingebettet sind.

Religionen und Evolutionstheorie

Seit der britische Biologe Charles Darwin 1858 sein Werk "On the Origin of Species" veröffentlichte, war die von ihm postulierte Theorie der Evolution durch natürliche Selektion immer wieder von Vertretern verschiedener religiöser Organisationen kritisiert worden. Speziell im US-amerikanischen Kontext kommt es bis heute immer wieder zu Konflikten zwischen Befürwortern und Gegnern der Evolutionstheorie. Allerdings gehen sowohl die komplexe Vorgeschichte des Konfliktes wie auch dessen aktueller Verlauf noch weit über diesen Kontext hinaus. Grenz- und religionsübergreifende Netzwerke von Befürwortern und Gegnern der Evolutionstheorie agieren dabei global und mit verschiedenen Interessen. Daher präsentiert sich die weiterhin andauernde Debatte zwischen Befürwortern und Gegnern der Evolutionstheorie als ein in hohem Maße dynamisches Diskursfeld, welches verschiedenste Bereiche des öffentlichen Lebens betrifft.

Martial Arts/ Kampfkunst

Die Rezeption von insbesondere asiatischen bzw. asiatisch inspirierten Kampfsportarten (martial arts) als Praxis einer ganzheitlichen Selbstoptimierung hat sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in urbanen Mittelschichten in einem globalen Maßstab etabliert. Dabei werden diese Kampfkünste in verschiedenen Kontexten verortet: von Erziehung bis Wellbeing, über die Disziplinierung von Kindern bis hin zu spiritueller Selbstfindung unter Einbezug buddhistischer und esoterischer Motive. Die trainingswissenschaftliche Vereinheitlichung von Kampfsport und die als pädagogisch wirksam erachtete Erziehung zu Disziplin verknüpfen diese Motive, Praktiken und Vorstellungen mit der Erhöhung von Leistungsbereitschaft durch eine zugeschriebene spirituelle Praxis. Asiatische Kampfsportarten reihen sich daher innerhalb hochindustrieller Gesellschaften in religiöse bzw. spirituelle Praktiken der Post-Säkularisierung ein.

Moderne Buddhismen

Unter Einfluss der Globalisierung und damit einhergehender Kulturkontakte und vielfältiger transkultureller Flüsse hat sich das, was häufig essentialisierend als ›Buddhismus‹ verstanden wird, transformiert und entstanden sind vielseitige Ausgestaltungen, die als ›Moderne Buddhismen‹ bezeichnet werden. Unter diesem Begriff werden sowohl die verschiedenen modernen Formen buddhistischer Traditionen in den asiatischen Ursprungsländern als auch die vielgestaltigen Neuformationen in vornehmlich urbanen Zentren hochindustrialisierter Länder bezeichnet. Kennzeichnend für die Modernen Buddhismen vor allem außerhalb Asiens sind eine angenommene Kompatibilität mit Naturwissenschaft und rationalem Denken, Werten wie Demokratie, Frieden und Gleichberechtigung sowie der ihnen zugeschriebene Fokus auf Meditation, therapeutisches Potential und Wellbeing. Das Vertrauen in die Kraft des buddhistischen Dharma und buddhistischer Heilsbringer, das Streben nach diesseitigem und jenseitigem Nutzen und die enge Verbindung zu Staat und Herrschaft, wie sie in den asiatischen Traditionen des Buddhismus eine wichtige Rolle spielen, sind dabei in Vergessenheit geraten und werden zum Teil von modernen Vertretern als magisch oder abergläubisch herabgesetzt. Zugleich transformieren Vorstellungen eines entmythologisierten und psychologisierten Buddhismus seine Wahrnehmung und Praxis in den asiatischen Ursprungsländern. Das Forschungsinteresse am Institut für Religionswissenschaft in Heidelberg richtet sich vor allem auf die Popularität, Rezeption und Praxis buddhistisch inspirierter Formationen in Deutschland und Nordeuropa.

Religion und Psychotherapie

Im 19. Jahrhundert kommt es im Zuge der wissenschaftlichen Revolution und der Entstehung eines globalen Religionskonzeptes zu einer neuartigen Interaktion zwischen religiösen und psychotherapeutischen Diskursen, die bis in die Gegenwart hinein das globale und lokale sozio-kulturelle Geschehen prägen. Zwar besteht schon seit den Anfängen der uns zugänglichen Religionsgeschichten eine Beziehung zwischen unterschiedlichen religiösen und therapeutischen Konzepten; jedoch wird erst in der antagonistisch geführten Auseinandersetzung zwischen ›Materialismus‹ und ›Metaphysik‹ im frühen 20. Jahrhundert ein Amalgam aus den widerstreitenden Elementen geschaffen. Dieses Religio-Therapeutische lässt als Dispositiv der optimalen Anpassung das ›Religiöse‹ im ›Therapeutischen‹ und das ›Therapeutische‹ im ›Religiösen‹ aufscheinen. Im weltweiten ›Yoga-Boom‹, ›Mindfulness-Fieber‹, und ›Zen-Hype‹ - um nur einige Manifestationen des Religio-Therapeutischen zu nennen - zeigt sich mithin die Konvergenz von Religion(en) und Psychotherapie.

Die Medialisierung des Islam/ dschihadistischen Terrors

Die strategische Wirkmacht radikalislamischen Terrors entfaltet sich erst über unsere zeitgenössische Medienlandschaft. Seit dem 11. September 2001 haben Terrornetzwerke ihre Attacken an die Mechanismen globaler Medien- und Aufmerksamkeitsökonomien angepasst und ihre Propagandawerkzeuge auf die medialen Erwartungshaltungen und Nutzungsgewohnheiten der Zielgruppe potentieller RekrutInnen und SponsorInnen zugeschnitten.

Dafür können einerseits die ästhetischen Strategien dieser Netzwerke und ihre hoch professionelle Medienarbeit untersucht werden, um diese auf das Selbstverständnis dieser Gruppen und das Image, das diese einem internationalen Publikum vermitteln möchten, hin zu befragen. Andererseits können die Marketing- und Brandingstrategien dieser Gruppierungen und die Medialisierung ihrer Attacken in ihrem Zusammenspiel mit internationalen Medienöffentlichkeiten analysiert werden.

Achtsamkeit

Auf Grundlage transkultureller Übersetzungsprozesse werden buddhistisch orientierte Narrationen, Praktiken und Materialitäten gegenwärtig als psychologisch wirksame Techniken in hochindustrialisierten Gesellschafteen weltweit rezipiert. Körper- und Meditationspraktiken buddhistischer Herkunft werden zur positiven Beeinflussung der Psyche bei Problemen oder Stress angeboten und praktiziert. Als besonders erfolgreich hat sich dabei der Topos der Achtsamkeit erwiesen, der religionsgeschichtlich aus der Theravada-buddhistischen Tradition des Vipassana hervorgegangen ist und seit den 1970er Jahren zunächst in therapeutischen Diskursen der Medizin und Psychologie rezipiert wird und inzwischen Eingang in eine Vielzahl von Diskursen gefunden hat. Gleichzeitig diskutieren und untersuchen Neurowissenschaften und Psychotherapieforschung die Wirkungen meditativer Praktiken auf die psychische Gesundheit. Ihre Integration in psychotherapeutische Behandlungen wird immer stärker nachgefragt. Am Institut für Religionswissenschaft liegt das besondere Forschungsinteresse zum einen auf der Frage nach den Legitimations- und Plausibilisierungsstrategien und zum anderen auf Fragen nach den Wechselwirkungen von Zuschreibung und Körperpraxis im Feld der Achtsamkeit.

Religionen und Populärkultur

Die Medialisierung der Gesellschaft zieht fundamentale Veränderungen in allen Bereichen der Gesellschaft mit sich. Medialisierte Religion heißt, dass unter den Bedingungen der Allgegenwart medialer Beeinflussung und Verfügbarkeit das Monopol über religiöse Narrationen, Designs und Praktiken nicht länger bei religiösen Professionellen und Institutionen liegt. Religiöse Semantiken sind frei verfügbar und können von einzelnen Akteuren interpretiert, neu zusammengesetzt und wieder neu in Umlauf gebracht werden. Unter diesen Bedingungen können Narrationen, Materialitäten und Praktiken, die gemeinhin als den sogenannten Weltreligionen zugehörig gelten, in großem Ausmaß in populärkulturellen Kontexten aufgegriffen und weiter verarbeitet, neu gemischt und interpretiert werden. Diese Entwicklung wirft zum einen die Frage nach den Veränderungen des ›genuinen‹ religiösen Feldes und den Wechselwirkungen mit diesem Feld auf wie auch die Frage danach, inwiefern sich das Feld der Populärkultur selbst in Religion verwandelt.

Postmoderne Spiritualität

Das sich wandelnde religiöse Feld, das sich unter dem Label ›postmoderne Spiritualität‹ subsumieren lässt, ist gekennzeichnet von Hybriden, Synkretismen und Innovationen, welche im Mittelpunkt dieses Forschungsschwerpunkts stehen. Klassische, exklusive Formen religiöser Zugehörigkeit werden durch neue soziale Organisationsformen wie die Vermittlung auf dem Markt, die Entstehung religiöser Netzwerke, offene Partizipationsstrukturen, multiple Zugehörigkeiten und bedarfsorientierte Nutzung religiöser Angebote ergänzt oder ersetzt. Dieser Wandel vollzieht sich unter massivem Einfluss der Medien, des Internets und durchdringenden Prozessen ästhetischer Interventionen. Auf dem Buchmarkt, auf dem Markt der Selbstfindungs- und Selbstoptimierungspraktiken, in den Medien und im Netz werden eine Fülle von Inhalten, Praktiken und Objekten angeboten, die mit religiösen Semantiken durchsetzt sind. Häufig werden dabei eine vorgestellte Transzendenz als eine Kraft im Inneren des Menschen oder eine die Gesamtheit des Seins durchdringende Macht mit dem Begriff ›Spiritualität‹ thematisiert und aus der Religionsgeschichte bekannte Rituale und Praktiken als Techniken verstanden, die in der Lage sind, Zugang zu diesen vorgestellten Instanzen zu gewinnen.

Genealogie des Yoga/ Kundalini

Dieser Forschungsschwerpunkt untersucht die euro-amerikanische Konstruktion der sogenannten Kundalini-Energie als Teil des größeren Yoga-Diskurses seit dem 19. Jahrhundert. Bis ins 17. Jahrhundert wird die Kundalini im Kontext der Yoga- und Tantrapraxis erwähnt, allerdings bleiben ihre Funktion und Bedeutung unklar und ihre Rolle marginal. Mit der ›Entdeckung‹ der Kundalini durch Religionswissenschaftler und Psychologen im späten 19. Jahrhundert entsteht eine komplexe metaphysische Konstruktion der Kundalini, bis hin zu ihrer Artikulation als eine den Kosmos durchdringende evolutionäre Kraft. Das Projekt zeichnet die Verlaufslinien des Diskurses um die Kundalini nach und zeigt die rege Beteiligung der sich etablierenden Disziplinen der Psychologie und Religionswissenschaft im Rahmen des Orientalismus.

Inken Prohl unter Mitarbeit von Tobias Köhler, Dimitry Okropiridze, Danijel Cubelic, Gill Zimmermann, Rao Xinzi, Stephan Yamamoto und Rebecca Kaufmehl.

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Letzte Änderung: 21.04.2017