Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Geschichte des Fachs Religionswissenschaft in Heidelberg

Historische Wurzeln

Das Fach Religionswissenschaft wurde an der Universität Heidelberg 1967 mit der Berufung von Günter Lanczkowski (1917-1993) als zunächst außerplanmäßiger und dann ab 1978 als ordentlicher Professor auf den Lehrstuhl für Religionsgeschichte an der damaligen Philosophischen bzw. späteren Philosophisch-Historischen Fakultät gegründet. Nach der Emeritierung Lanczkowskis im Jahr 1982 wurde die Professur jedoch nicht wieder besetzt.

Dass das Fach Religionswissenschaft in der durch diese Lehrstuhlvakanz entstandenen schwierigen Situation überhaupt weitergeführt werden konnte - wenn auch nur als Nebenfach - geht auf eine Initiative des Ägyptologen Jan Assmann und des evangelischen Theologen Theo Sundermeier zurück. Sundermeier hatte bis zum Jahr 2000 die Professur für Religions- und Missionswissenschaft an der Theologischen Fakultät inne. Beide Professoren hatten auch maßgeblichen Anteil daran, dass der Lehrstuhl für Religionswissenschaft in den 1990er Jahren wiederbesetzt und das Fach damit neu etabliert werden konnte.

Religionswissenschaft in Heidelberg heute

Zwei Jahre nach der Berufung von Gregor Ahn im Jahr 1996 kam es 1998 zu einer Neugründung des Instituts für Religionswissenschaft im Rahmen der damaligen Fakultät für Orientalistik und Altertumswissenschaft, die wenige Jahre später mit der Philosophisch-Historischen Fakultät zu der heutigen Philosophischen Fakultät fusionierte. Der Studiengang Religionswissenschaft ist heute rein kulturwissenschaftlich ausgerichtet. Als interdisziplinärer Forschungs- und Lehrverbund ist die Heidelberger Religionswissenschaft das Ergebnis der Kooperation einer Vielzahl von geisteswissenschaftlichen, theologischen und verhaltenswissenschaftlichen Disziplinen sowie der Hochschule für Jüdische Studien. Dieses Konzept entwickelte sich zu einem Erfolgsmodell, das sowohl bei Studierenden als auch in der Öffentlichkeit auf breite Resonanz gestoßen ist.

Im Jahr 2004 wurde der Religions- und Missionswissenschaftler Michael Bergunder, der die Nachfolge von Theo Sundermeier an der Theologischen Fakultät angetreten hatte, in die Philosophische Fakultät kooptiert. Mit dieser intensivierten Kooperation konnte das Lehrangebot des Fachs Religionswissenschaft sowohl quantitativ als auch inhaltlich stark erweitert werden. Im Jahr 2006 konnte zusätzlich eine zweite religionswissenschaftliche Professur eingerichtet werden, auf die Inken Prohl berufen wurde.


Text von Gregor Ahn, Carina Branković und Simone Heidbrink, in: Branković, Carina/ Heidbrink, Simone/ Lagemann, Charlotte (Hgg.): Religion in Ex-Position. Eine religionswissenschaftliche Ausstellung, Begleitband zur Ausstellung, Universitätsmuseum Heidelberg, Kataloge 11, Heidelberg: heiBOOKS 22016, S. 202.

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Letzte Änderung: 03.02.2017