Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Überblick über das Fach

Was ist Religionswissenschaft?

Religionswissenschaft beschäftigt sich mit grundsätzlich allen Religionen und religiösen Konstellationen in Geschichte und Gegenwart und strebt eine möglichst wertneutrale Beschreibung der Entstehung und Veränderung religiöser Traditionen anhand empirischer Befunde an. Statt nach der Wahrheit oder Richtigkeit religiöser Aussagen fragt Religionswissenschaft nach der Rolle, die religiöse Menschen für die Kultur und Geschichte ihrer Zeit spielen.

Große religiöse Traditionen wie etwa Christentum, Islam, Hinduismus und Buddhismus gehören dabei ebenso zum Untersuchungsspektrum wie regionale historische Entwicklungen (z.B. in der Antike und im Alten Orient) oder aktuelle, zeitgenössische Religionsformen (z.B. New Age und Esoterik). Insofern zählt Religionswissenschaft heute mit zu den diagnostischen Schlüsseldisziplinen für die Lösung brisanter gesellschaftspolitischer Fragen (z.B. nach Fundamentalismus und religiös legitimierter Gewalt).

Religionswissenschaft in Heidelberg

Das Studium der Religionswissenschaft erlaubt den Studierenden über die freie Wahl eines Begleitfaches aus dem breit gefächerten Spektrum der Heidelberger Geistes- und Sozialwissenschaften die zielgerichtete Ausbildung eines eigenen religionshistorischen Schwerpunkts. Durch die Integration von Lehrveranstaltungen aus Nachbardisziplinen in den Studiengang wird außerdem die Möglichkeit geboten, neben der erforderlichen Spezialisierung einen fundierten Einblick in die Vielfalt der Religionsgeschichte zu gewinnen.

Lehrangebot in Heidelberg

Die Religionswissenschaft bietet in Heidelberg ein breites, interdisziplinär organisiertes Spektrum an Lehrveranstaltungen. Daran beteiligen sich neben Religionswissenschaftlern auch...

  • Altorientalisten,
  • Altphilologen,
  • Archäologen,
  • Ethnologen,
  • Historiker,
  • Indologen,
  • Islamwissenschaftler,
  • Mitglieder der Hochschule für Jüdische Studien,
  • Kunsthistoriker,
  • Philosophen,
  • Sinologen,
  • Soziologen und
  • Theologen.

Über die einzelnen Lehrveranstaltungen gibt das aktuelle Vorlesungsverzeichnis Auskunft.

Die Studierenden haben einen großen Spielraum, innerhalb dessen sie die Lehrveranstaltungen, die sie besuchen wollen, je nach ihren Interessen frei wählen können. Für ihre Studiengestaltung wird darum ein hohes Maß an Selbstständigkeit und Eigenverantwortung vorausgesetzt.

Ziele und Modalitäten des Studiums

Ziel des Studiums ist es, einen Überblick über die Methoden und die Ergebnisse der aktuellen Religionsforschung zu erlangen und auf dieser Basis vertiefte Kenntnisse in einer ausgewählten religiösen Tradition oder regionalen Konstellation zu erwerben.

Dazu ist in aller Regel auch das Erlernen entsprechender Quellensprachen unentbehrlich. An der Universität Heidelberg wird traditionell ein breites Spektrum angeboten, das von den klassischen und modernen Sprachen Europas über die alten und neuen Sprachen des Vorderen Orients bis zu denen Süd- und Ostasiens reicht.

Am Institut für Religionswissenschaft finden sich regionale Schwerpunktbereiche für die Religionsgeschichte Europas und der USA, für die religiösen Traditionen des vorislamischen Iran sowie für die alte und speziell die gegenwärtige japanische Religionsgeschichte. Inhaltlich bilden die neuere Ritualforschung, die Analyse von Transformationen des Buddhismus in einem globalen Kontext sowie die Untersuchung der Rolle von Religionen im Medium Internet die Gravitationszentren der Forschungsarbeit am Institut. Theoretische Schwerpunkte liegen dabei auf den Bereichen Religionsgeschichte, Religionsästhetik und Religionsökonomie sowie auf den Konzepten Ritualdynamik und Individualreligiosität.

Der Abschluss des Bachelorstudiengangs Religionswissenschaft führt zum ersten berufsbefähigenden Examen. Für Absolventen mit überdurchschnittlichen Studienleistungen besteht außerdem die Möglichkeit eines Studiums des Masterprogramms Religionswissenschaft sowie eines sich daran anschließenden Promotionsstudiums. Über das Erasmus-Austauschprogramm erhalten Studierende die Gelegenheit, Teile ihres Studiums im Ausland zu absolvieren.

Bericht einer Studentin

„Auf der Schule habe ich nie etwas über einen Studiengang Religionswissenschaft gehört, daher habe ich angefangen Geographie zu studieren. Durch den Kontakt zu einer Studentin der Religionswissenschaft habe ich dann von diesem Studiengang erfahren. Schon immer haben mich Religionen fasziniert, warum Menschen glauben und was für eine ‘Macht’ Religionen auf Menschen ausüben. Ich habe zunächst ein Proseminar belegt, um einen näheren Einblick in die Vorgehensweise und die Methode der Religionswissenschaft zu erhalten. Sehr schnell hat mich das Fach dann in seinen Bann gezogen. Und meinen vorherigen Studiengang konnte ich sehr gut in die Religionswissenschaft einbringen, mein Steckenpferd ist jetzt Religionsgeographie. Durch mein Nebenfach Islamwissenschaft bekomme ich einen guten Einblick in eine große religiöse Tradition und kann mich als Religionswissenschaftlerin auch mit aktuellen Themen wie z.B. der Debatte über den fundamentalistischen Islam, den Kopftuchstreit etc. auseinandersetzen.”

Religionswissenschaftler im Beruf

Für Religionswissenschaftler gibt es anders als etwa in der Pharmazie oder Medizin kein fest vorgegebenes Berufsbild. Die gesellschaftspolitische Bedeutung der Religionswissenschaft eröffnet jedoch eine breite Vielfalt an möglichen Berufsfeldern, u.a. in:

  • Medien (Journalismus)
  • Internationalen Organisationen (von Entwicklungshilfe- bis zu Menschenrechtsorganisationen)
  • Internationalen Firmen
  • Verlagen
  • Bereichen des Kulturmanagements
  • Behörden (als „Sektenbeauftragte”, im Grundsatzreferat)
  • Interkulturellen Beratungsstellen

Viel hängt hier von den persönlichen Interessen und der individuellen Schwerpunktbildung ab. Als Hilfe bei der Orientierung und als Einstiegschance in mögliche Berufsfelder sind Praktika im Studienverlauf vorgesehen.